Wie bleibt unsere Arbeit zeitgemäß?
Wie groß eine Gruppe werden darf/kann/soll, kann ich jetzt schwer beantworten. Es hängt von vielen Faktoren ab, wie z.B. wie setzt sich die Gruppe zusammen/ist sie eher homogen/oder gibts einige Reibereien/oder kennen sich alle Leute/usw.
Ich würde die Jungschar mit 7 Jahren beginnen (sobald die Kids die erste Volksschulklasse abgeschlossen haben) und als Denkansatz wegen des akuten Leitermangels vielerorts wieder - wie früher schon vor zehn fünfzehn Jahren einmal - als eine Gruppe inklusive Teenies führen, die für spezielle Aktivitäten/Gespräche/Andacht als Jungschar und Teenies aufgeteilt werden kann.
Dadurch könnten wir MitarbeiterInnen konzentrierter einsetzen und zugleich den Kindern auch Verantwortung füreinander lernen (z. B. ein älterer Teenie übernimmt eine Art Patenschaft für einen neuen Jungschärler, betet für ihn, hilft ihm in die Gruppe finden usw.)
Jungschar (inkl. Teenies) könnte dann von der zweiten bis zur achten Schulstufe gehen (7 bis 14 Jahre). Hier können über längere Zeit Beziehungen aufgebaut werden, eine Gruppe geformt werden usw. - und mit 15 (oder Oberstufen-Schule, oder ab Polytechnischer Schule und dann Lehre) kämen die Teenies in die Jugend (diese würde ich wiederum mit 20 Jahren nach oben begrenzen, irgendwann ist der Mensch einfach erwachsen und sollte sich ins “normale” Gemeindeleben integrieren können!).
Zudem finde ich es noch wichtig, dass eine JS- oder Teenie-Gruppe direkt von einer Gemeinde geführt wird oder an diese angebunden ist, um eine persönliche Betreuung und Führung zu garantieren. Bei bestimmten Projekten oder Veranstaltungen kann man eine Stadt-Zusammenarbeit anpeilen (z. B. in einer Landeshauptstadt) oder sogar für einen speziellen “Event” einmal eine landesweite Kooperation (z. B. für einen Bundesländer-Tag).
Was bedeutet Professionalität – in christlichen Organisationen?
Ein familiärer Umgang steht einer professionellen Arbeitsweise nicht im Wege. Mir kommt nur vor, dass wir Christen oft lernen müssten, Menschen mit fachlicher Kompetenz in unseren Kreisen bestimmte Dinge auch entscheiden zu lassen und nicht aufgrund von “evangelikalen” eingeteilten Leiterfunktionen vor sich hin zu wurschtln (welch österreichischer Ausdruck!).
Heutzutage sollten wir uns mehr denn je fachlicher und menschlicher Teams bedienen, die bestimmte Projekte übertragen bekommen, diese nach vorne und weiter bringen und immer wieder der Gemeinde einen Zwischenbericht abliefern. Welch Reichtum an Menschen verschiedenster Gaben haben wir doch in unseren Gemeinden, aber nur wenige sind oder werden eingebunden.
Leitermangel und Burnout sind für mich auch deutliche Hinweise auf “christliche Managementfehler” - die immer schneller sich drehende Zeit und Entwicklung der Gesellschaft erfordert oft neue Arbeits- und Denkansätze. Warum immer das JS-Treffen am gleichen Ort zur gleichen Zeit? Warum nie Altersgruppen verändern und neue Strukturen ausprobieren? Darf das nur die “Welt” und wir “Christen” nicht? Hat uns nicht unser Herr zwei Augen, Arme und Beine geschenkt, um daraus was Schlaues zu machen?
Ich habe zu diesen Fragen einen Buchtipp:
Management - Der biblische Weg (von Myron Rush, erschienen im Verlag Schulte + Gerth)
Einleitende Bibelstelle zum Thema 1. Mose 11, 1 - 9:
• Hingabe an ein gemeinsames Ziel (Verse 3+4)
• Einigkeit unter den Beteiligten (Vers 6)
• Ein effektives Kommunikationssystem (Verse 1+6)
• Das Tun von Gottes Willen (die Verse 7-9 zeigen, dass das fehlte)
Was hältst du von einem österreichweiten Visons-/Inspirations-Team?
Wir sollten jetzt alle aktuell unsere Ideen und Visionen in den kreativen Neubeginn des ABÖJ einbringen. Ich halte als ergebnisorientierter Mensch nicht viel von “Nachdenk-Teams” außerhalb aktueller Gestaltungs-Abläufe, die ja schon eingeleitet sind und mit der Startsitzung im steirischen Feldbach eine Grundlage für die Zukunft bilden.
Eine neue Jungschar-Gruppe lebt vom Anpacken und dem Einsatz der LeiterInnen. Eigene “Nachdenkteams” drehen sich dann um sich selbst, kein Kind wird damit für die Sache des Herrn gewonnen - also: Ärmel raufstülpen, konzentriert nachdenken und besprechen und dann unbedingt: Anpacken!
Lasst uns die Liebe nicht nur denken, sondern t u n !!
Ein festes Redaktions-Team für jede Region?
Gerne stehe ich - wie bereits bei der ABÖJ-Sitzung in Feldbach - Interessierten bezüglich Öffentlichkeitsarbeit mit Rat und Tat zur Seite. Bevor wir aber wieder jede Menge “Detailteams” andenken, brauchen wir einmal JungscharleiterInnen, JungscharleiterInnen und nochmals - JungscharleiterInnen! (Nicht nur andenken, anpacken ist jetzt gefragt!)
Es wäre nur allzu österreichisch, ein Nachdenkteam einzurichten, das darüber nachdenkt, was JungscharleiterInnen bei einem Grundkurs über die Zukunft des ABÖJ nachdenken sollten… schluss, aus: ein kleiner Gerzi-Scherz zur Auflockerung der vielen Fragen :-))
Persönliches Mentoring?
Die Seelsorge-Frage beschäftigt mich aus aktuellen Gründen mehr denn je - nicht nur, weil ich seit mehr als einem Jahr in unserer Gemeinde in einem solchen Team mitarbeiten darf, das wir gerade aufbauen. Sondern weil ich seit Jahren erlebe, wie wichtig für viele Menschen Begleitung und Betreuung ist - sei es, weil sie Vergangenes aufarbeiten müssen, das durch aktuelle Lebenssituationen wieder hochkommt oder sei es durch neue Problemstellungen besonders bei jungen Menschen in Schul-Situationen, Ausbildungs-, Job- und Lebensfragen.
Meine Idee dazu: Vielleicht könnte man bei manchen Lagern und Kursen ein, zwei Leute aus unseren Kreisen bewusst “frei spielen”, die einfach nur für Gespräche mit den TeilnehmerInnen zur Verfügung stehen. In einer Zeit wachsenden Leistungsdrucks auf allen Ebenen des Lebens vielleicht eine mögliche Antwort als neue Hilfestellung im Angebot des ABÖJ - soweit auch eine Anmerkung zur richtigen Mischung für den ABÖJ, einerseits ein christlich geführter und doch gemanagter Verein zu sein, aber auch menschliche Persönlichkeitsentwicklung zu fördern und zu begleiten.
Wir hatten vor ca 15 Jahren bei manchem ABÖJ-Kurs oder -Treffen ein “Wiener Kaffeehaus-Eck”, das ich mit Hanns Mühl und Martin Schober - anfangs zu manch Verwunderung der Schweizer Leiter - eingerichtet habe… hier haben sich aber die Menschen zusammengefunden, ausgetauscht und so manches persönliche Gespräch bis tief in die Nacht geführt.
Wir brauchen nicht nur gute Seilbrücken, sondern vielmehr neue Brücken zu den Herzen der Menschen und im Miteinander!
Kontakt zwischen den Gruppen?
Die meiner Meinung nach beste Internet-Arbeit und Gruppen-Kommunikation unter Christen in Österreich ist die Homepage der Aichfeld-Jugend in der Steiermark - www.aichfeldjugend.at.tt , eine “gelebte” Community, Gratulation an diese Steirer-Boys und -Girls…
Nicht ABÖJ Neu!, sondern vorerst: Vorstand Neu?
Ich denke, dass mit einem “Vorstand neu” auch ein “ABÖJ Neu” verbunden ist, ja eigentlich unbedingt sein muss: Wir müssen die Zeichen der Zeit erkennen und einen neuen Weg mit flexiblen Angeboten ausprobieren, ohne dabei das “Unvergängliche und Bodenständig Gute” (sprich d a s Evangelium und erfolgreiche JS-Gruppen und Strukturen sowie Projekte) zu verändern.
Es gilt, wie auch anderswo im Leben: Bewahre das Gute und erkenne, was Du neu machen kannst/sollst/musst. Gehts uns im eigenen Glaubensleben nicht auch manchmal so, dass wir einiges verändern müssen, was uns weh tut, um wieder neu und näher am Herrn sein zu können? Ist vielleicht ein schwieriges Bild, aber wert, darüber nachzudenken…
Zum Schluss noch ein Bibelwort aus dem christlichen Management-Buch, das ich habe:
“Jedes Reich, das mit sich selbst uneins ist, wird veröden, und keine Stadt, kein Haus, das mit sich selbst uneins ist, kann bestehen.” (Matthäus 12,25)