ABÖJ Weblog

Mit ‘Professionalität’ getaggte Artikel

Interview: Irina Schneetter, OÖ(A)/Brake(D)

Freitag, 05. Oktober 2007, von Weblog Admin

Was kannst du uns von deinen Erfahrungen am Sommerlager in Deutschland berichten?
Zusammengefasst kann gesagt werden, dass im Grunde das Gleiche im Mittelpunkt steht: Es geht darum, dass Kinder Gott kennen lernen, ihn erleben und es Auswirkungen auf ihr Leben hat.
Positiv erlebt habe ich, dass die Stille-Zeit Gruppen in kleinere Gruppen aufgeteilt wurden. Wenn in einem Zelt beispielsweise fünf Kinder und zwei Mitarbeiter waren, dann fühlte sich jeder Mitarbeiter für 2-3 Kinder verantwortlich – die Stille-Zeit wurde nur mit einem Leiter und diesen 2-3 Kindern gemacht. Der Vorteil dabei war, dass jeder Mitarbeiter eine Verantwortung hatte, wirklich jeder „gebraucht“ wurde und man auch individueller auf die Kinder eingehen konnte. Das Problem mit dem davor Singen wurde so gelöst, dass jede „Familie“ (=mehrere Zelte) gemeinsam sangen und sich erst dann in die Kleingruppen aufteilten. Mochte ein Minileiter die Verantwortung einer eigenen Kleingruppe noch nicht übernehmen, wurden die Gruppen einfach ein wenig größer und zusammengelegt.

Worin liegen für dich die Stärken der bisherigen Arbeit des ABÖJ?
Gutes Verhältnis zwischen Eigenständigkeit und doch der Möglichkeit auf kompetente Hilfe zurückzugreifen. Einerseits konnte man als Jungschar oder Lager selber entscheiden, wie und wo man die Schwerpunkte legt, wie die gesteckten Ziele praktisch erreicht werden können. Es lag an einem selber, wie intensiv man sich in den ABÖJ-Verband einbrachte, die Kurse in Anspruch nahm, um Rat bei erfahrenen ABÖJ Sekretären suchte. Weiters profitierte ich persönlich besonders von den Kursen. Einerseits wurde wichtiges Wissen vermittelt, neue Ideen gegeben und andererseits kam ich jedes Mal hoch motiviert für die eigene, kleine Jungschararbeit zurück.

Was hat deines Erachtens noch nicht gut funktioniert oder gefehlt?
Die Werbung. Die Information floss teilweise nur sehr stockend, es musste einem persönlich ein Anliegen sein, um den Dingen nachzugehen und dann zu den gewünschten Infos zu kommen. Auch bei den Jungscharlagern sehe ich noch große Möglichkeiten, wie auch noch viel mehr Nicht-Christen erreicht werden könnten, wenn man mehr Wert auf die Werbung legen würde. (Wobei ich schon dazu sagen muss, dass der ABÖJ in diesem Punkt in letzter Zeit Fortschritte gemacht hat)
Ich fände es toll, wenn der Schwerpunkt noch mehr auf das Erreichen von Nicht-Christen gelegt werden würde (ohne dabei die Förderung unserer Gemeindekinder zu übersehen!), denn ich denke dazu haben wir mit dieser Arbeit in Österreich echt (noch) offene Türen. Wer weiß, wie lange wir noch solche Freiheiten haben werden, doch jetzt lassen sich Kinder noch ansprechen, wir können öffentliche Schulen, Bauernwiesen… mieten und die Regierung steht nicht dagegen.

Wie würdest du die Arbeit der KEB und des ABÖJ vergleichen?
Ähnliches Ziel, unterschiedliche Vorgehensweise.
KEB: nicht unbedingt an eine Gemeinde angeschlossen – Problem der Integration in Gemeinden; es wird mehr über die kreative Schiene gearbeitet; sehr persönliche Kontakte zu den Kids; Einsatz in Schulen; Gemeindeübergreifend: auch Kinder aus katholischem, evangelischem Hintergrund werden erreicht, dadurch wird oft positiver Schwung in unsere Landeskirchen gebracht.
ABÖJ: erlebnisorientiert, naturverbunden, praktischere Vernetzung Österreichweit (es besteht ein größeres Wir-Gefühl unter den Jungscharen-Mitarbeitern im Land), in Teilen der Gemeindestruktur; im christlichen Bereich Österreichs nicht sehr bekannt.

Wie bleibt unsere Arbeit zeitgemäß?
Ein Punkt an dem es ziemlich krass auffällt ist, wenn Material verwendet wird, indem alte Bilder verwendet werden. Ich bin dafür, dass auch altbewährtes gebraucht wird, doch vielleicht sollte man dabei nicht unbedingt auf die Bilder, sondern auf den Inhalt zurückgreifen. Zur Altersbeschränkung: Kids und Teens auf jeden Fall trennen. Die Trennlinie würde ich zwischen 12 und 13 Jahren ziehen.

Sollte es so sein, dass in den n. Jahren mehr als die Hälfte Kinder aus nicht christlichem Elternhaus zur Jungschar und zum Teeniekreis kommen, wie sollte dann damit umgegangen werden?
Vielleicht sollte eine 50:50 Mischung angepeilt werden, schließlich sollen die jungen Christen auf jeden Fall auch weitergeführt werden (vor allem wenn man bedenkt, dass sie oftmals die einzigen Gläubigen in ihrer Klasse sind oder sich zu zweit oder dritt durchkämpfen).
Sollte eine Zahl von mehr als die Hälfte der Kinder aus nicht christlichem Elternhaus angepeilt werden, dann muss sicherlich mehr Schwerpunkt auf die Elternarbeit gelegt werden. Man sollte einen offenen, transparenten Teil der Stadtgemeinde einnehmen, damit nicht so viele Gerüchte und Vermutungen (Sekte…?) im Raum stehen bleiben. Man sollte den Menschen in der Nachbarschaft nicht der „große Unbekannte“ bleiben, wirkliches Interesse an ihnen und ihren Kindern zeigen (und auch haben) und Liebe leben.

Was bedeutet Professionalität – in christlichen Organisationen?
Ich bin davon überzeugt, dass ein gewisser Grad an Professionalität auch für christliche Organisationen von Vorteil ist, warum sollten wir Christen diese Dinge ablehnen, wenn sie uns helfen können, die Menschen um uns herum auf uns aufmerksam zu machen? Natürlich darf es nicht so weit kommen, dass es nur noch darum geht, doch ich denke eine gute Mischung in den Teams, wo jeweils eine Person mit Schwerpunkt Qualitätserhöhung dabei ist, ist nur wünschenswert. Ehrlicherweise müssen wir sagen, dass es viele Menschen abschreckt, wenn das Layout, die Methoden… völlig veraltet sind, bevor sie noch wissen, was sie eigentlich genau ablehnen. Ja, wir dürfen und sollen mitgehen, doch dabei nie das eigentliche Ziel aus den Augen verlieren!

Wie siehst du den Zusammenhang zwischen Mission und nationaler Jungschar- und Teeniearbeit in Europa?
Ich finde man kann und soll diese beiden Bereiche nicht voneinander trennen. Schon die Kinder sollen lernen, dass die Mission (wo auch immer sie sich befindet) unser Auftrag ist und unser Leben davon in unserem Alltag durchdrungen sein sollte. Erleben sie es in ihrer Kindheit nicht, dann ist es oft später schwierig die Wichtigkeit zu sehen. Wie könnte es aussehen? Aktivitäten, Wettbewerbe von den Kids veranstaltet und durchgeführt, bei dem der Ertrag an eine Missionarsfamilie geschickt wird, Missionare kommen und berichten von ihrer Arbeit und ihrem Leben. Vielleicht könnte man auch immer wieder „Missionseinsätze“ in benachbarten Ländern einplanen. Dabei würden die Teens sehen, dass es auch auf anderen Teilen der Erde Christen gibt, die ähnlich Überzeugungen haben und es wird ein unvergessliches Erlebnis bleiben.

Hast du eine Idee für einen neuen Namen?
Dazu fällt mir gerade nichts Brauchbares ein. Weiß nur, dass ich das Wort „bibelorientiert“ aussagekräftig finde.

Vielen Dank Irina für deine inspirierenden und einleuchtenden Überlegungen! Gottes Segen für dein letztes Bibelschuljahr! Wir freuen uns auf dein Comeback in Österreich! (Liebe Grüße, Alex)

Interview: Tom Happel, Traun

Montag, 17. September 2007, von Weblog Admin


Tom Happel (Gemeindeleiter, VM Traun) mit Michi und Simon Kramer.

Wie geht es der Teenie und Jungschararbeit in Traun?
Wir sind sehr zufrieden. Unser Teenkreis ist inzwischen die Jugend geworden und wir sind dabei bald die Jungschararbeit in Jungschar und Teens zu teilen. Außerdem haben wir noch eine Kinderarbeit unter Ausländerkindern.

Welche Rolle sollen die Gemeinden in der Zukunft spielen?
Zuerst einmal sind wir total dankbar für die Arbeit und Unterstützung des Aböj. Da wir mit dem Aböj in Projekten zusammenarbeiten haben wir als Gemeinde eh eine gute Zusammenarbeit. In der Ausbildungsarbeit sind wir froh unsere jungen Leiter gut ausgebildet zu bekommen. Das sollte auch weiterhin so bleiben.

Was macht uns einzigartig?
Einzigartig ist glaube ich, das Natur pur Lager mit Feldküche und eigener Dusche und Waschanlagen (Plumpsklos gehören der Vergangenheit an, und das ist gut so). Toll ist auch die Zusammenarbeit der verschiedenen Jungscharen und die Ergänzung der verschiedenen Gaben.
Wir sollten aber noch mehr das gute Material des Aböj nutzen (z.B. Boote am See oder Fluss, Klettern, Spielpakete (Hockey, Diabolo, Jonglieren etc. )) Ein Workshoplager wäre gut möglich, die Idee von Alex gefällt mir gut. (Ich könnte die Kajaks und Kanus übernehmen.)

Wie bleibt unsere Arbeit zeitgemäß?
Sommerlager sind super. Frühlingsevent wäre wiedermal klass. Wintergames sind eher ungewiss. Die Alterseinteilung sollte bei den Teenielagern wirklich eingehalten werden. Es kommt schlecht, wenn zu junge Kids mitfahren.
Erlebnispädagogik ist super weil grundlegende Wahrheiten ganzheitlich vermittelt werden. Beim Teenielager sollte auch auf praktische Einsätze wertgelegt werden. Wie wäre es mal mit einem Teenielager auf einem Campingplatz und wir gestalten für die Kinder ein Kinderprogramm oder ähnliches.

Was bedeutet Professionalität – in christlichen Organisationen?
Professionalität sollte Praxisnähe bedeuten. Effektivität liegt in der Teamarbeit, wo jeder weiß, was er zu tun hat. Ein Kernteam denkt vor und delegiert. Lesbare Erfolge und erreichbare Ziele sind absolut nötig und biblisch, denn Frucht soll man ja erkennen, oder.
Ich finde es gut wenn die Aböj Mitarbeiter die Zeit haben Vordenker und Motivatoren für die Jungscharmitarbeiter sein können. Da würde ich mir noch mehr unterstützung wünschen. Obwohl ich weiß, dass man sich auch selbst darum bemühen muß.

Welche Finanzierungsmöglichkeiten siehst du für diese Arbeit?
Missionswerke, Unterstützerkreise, mehr Beteiligung der Gemeinden. Vollzeitler auch weiterhin nötig.

Was weißt du über Jungschar- und Teeniearbeit in anderen Ländern?
Größere Bünde und mehr Leiter können größere Events auf die Beine stellen. Aber vor Ort sehen die Jungschararbeiten oft sehr ähnlich aus. Modell jedes Kind hat einen “großen Bruder”, der ihn auch zu Hause besucht und den Kontakt zu den Eltern herstellt, finde ich sehr gut. Mehr Jungschararbeitsmaterial für die Österreichische Situation wäre gut.

Worin liegen für dich die Stärken der bisherigen Arbeit des ABÖJ?
Ausbildung, Lagerarbeit, Events, Vernetzung der Leiter.

Was hat deines Erachtens noch nicht gut funktioniert/gefehlt?
Ein Jungscharmissionsteam wäre super für Kinderevangelisationen.
Ein Team von Vollzeitlern, die Jungscharmusterstunden halten würden und so vielleicht ein ausgearbeitetes Halbjahresprogramm praktisch starten und dann über die ferne betreuen könnten.
Ein Modell einer offenen Jungscharschararbeit in einer Stadt starten und dann auch auf andere Städte übertragen.

Wenn es so sein sollte, dass in den nächsten Jahren mehr als die Hälfte der Kinder aus nicht christlichem Elternhaus zur Jungschar und zum Teeniekreis kommen, wie könnte dann damit umgegangen werden?
Es müsste ein neues Konzept für eine offene Jungschar erarbeitet werden. Das meiste Material ist für Kids die schon ein Grundwissen haben.

Persönliches Mentoring?
Regionale Mitarbeitertreffen 2x im Jahr wären gut. Wenn es Konflikte innerhalb der Arbeit oder zwischen Jungschar und Gemeindeleitung gäbe, sollte ein ABÖJ Coach zu Verfügung stehen. Das andere sollte vor Ort in der Gemeinde geschehen.

Hast du eine Idee für einen neuen Namen anstatt “ABÖJ”?

  • Evangelikale Jungschararbeit Österreichs (EJÖ)
  • Bibelorientierte Jungschararbeit Österreichs (Bijö)
  • Bibelorientiertes Jungscharteam (Bjutea) :-)
  • JUTA- Jungschar und Teenager Arbeitskreis
  • Jubila - Jungschar , bibelorientierte Leiter Ausbildung
  • Oder Varianten mit einem neutralen Namen:
  • J - Punkt - Arbeitskreis bibelorientierter Jungschar- und Teenagerarbeit in Österreich.
  • Kids´r us
  • Powerkids
  • Younglife
  • Kidspro
  • Pro Kids
  • X-trakinder
  • etc.

Notwendige Veränderungen auf vielen Ebenen

Donnerstag, 13. September 2007, von Weblog Admin

Ich staune nicht schlecht über die rege Beteiligung auf diesem Weblog. Ich habe das RSS-feed abonniert und lese täglich mit großem Interesse. Euer Feuer ermutigt mich sehr.
Hier ein paar persönliche Gedanken und Erfahrungen: Was war gut – wie könnte es weitergehen. Es ist ein weites und vielschichtiges Thema, das sich in verschiedenen Ebenen darstellt.

1) Vereinsebene

Der ABÖJ-Verein liegt nicht in Scherben. Der aktuelle Vorstand hat gerade was den Verein betrifft einiges geleistet: Die Gehälter werden pünktlich bezahlt, Steuern ordentlich abgeführt, die unterschiedlichen Materialverwaltungen der Regionen zusammengeführt, es wird über Anforderungsprofile und zukunftstaugliche Strukturmodelle nachgedacht. Durch Wachstum und regional widersprüchliche Entwicklungen war hier wirklich Handlungsbedarf. Hier hat der Vorstand sichtbare Verbesserungen herbeigeführt.

2) Die Zeit bleibt nicht stehen – wir auch nicht

Der ABÖJ war nie an dem Punkt zu sagen: Jetzt passt unser Angebot, so ist es perfekt. Im Gegenteil: Immer waren Dinge in Bewegung, Veränderungen und Anpassungen waren selbstverständlich und notwendig. Wichtige Lektion: Dabei nicht das große Ziel aus den Augen verlieren und der Illusion verfallen, dass wir es irgendwie alleine schaffen könnten, wenn wir uns nur entsprechend professionell anstellen!

Wir sind konfrontiert mit Realitäten, die für uns gelten, ob es uns gefällt oder nicht:

  • Ein Generationswechsel war unbedingt nötig, neue Generationen brauchen neue MitarbeiterInnen, die sie verstehen und ihre Sprache sprechen.

  • Wir haben ein qualitativ hochwertiges Aus- und Fortbildungssystem, aber kaum Leute die es nützen

  • Die neue Generation hat keinen oder anderen Bezug zum Verein. Vereine und christliche Organisationen im engeren Sinne verlieren weltweit an Beachtung. Organisierte Religion wird abgelehnt, Spiritualität hingegen gesucht. Mehr zu dieser Entwicklung in dem hervorragenden Buch Emerging Church von Dan Kimbal.

  • Gemeinden sehen uns größtenteils als Gratis-Dienstleister. Sie delegieren Mitarbeiter und Kinder und kommen nicht für die echten Kosten auf. Ebenso halten es die Gemeindebünde. Hier scheint das Hemd näher als der Rock: Schöne Worte und kein Budget.

Ganz abgesehen wer leitet, kommt, geht – und ob neue Besen tatsächlich besser kehren – sind das Fragen, denen wir uns stellen müssen. Das hängt nicht mit Vorstand, Sekretären oder sonst jemandem zusammen.

Entwicklung von ABÖJ & Co

Organisationen verändern sich fortlaufend. Nach einer euphorischen Pionierphase geprägt von Wachstum, Begeisterung und Chaos folgt eine direktive Phase des Ordnens und Strukturierens. Wenn Personalmanagement hier versagt und Dinge übers Knie brechen will, gehen hier die kreativen und vertrauten Mitarbeiter weg, die in einer – wenigstens aus ihrer Sicht – machtbetonenden (Wir sind jetzt die Chefs und du machst was wir wollen) und bürokratischen (für alles das richtige Formular) Umgebung nicht das richtige Umfeld finden. (Detailliert ausgearbeitet in „Authentische Führung“ von Paul Donders)
Wenn eine Bewegung wie der ABÖJ weiter wachsen möchte, braucht es eine delegative Phase, in der Verantwortungen an neue Teilarbeiten abgegeben werden, die dort wieder kleine Pionierphasen erleben etc. Die Rolle der Leitung verändert sich entscheidend in Richtung Begleitung, Coaching. Hier können nur Menschen erfolgreich führen, die ein großes Herz, moralische Integrität und gewissermaßen „väterliche Freundschaft“ besitzen und anbieten können. Hier braucht es Herz-Menschen, die integrative Arbeit leisten können.

Menschliche Ebene

Zwischen Sekretären und Leitung liefen die Dinge hier nicht glücklich. Trotz vermutlich guter Absichten, konnte wenig Energie in inhaltliche Diskussion gesteckt werden. Vielmehr ging es vornehmlich um Machtkämpfe und letztendlich um die Frage aller Fragen: „Sag, wer ist der Größte im Reich der Himmel“.
(Mehr über die Machtkämpfe zwischen altem und neuem Führungsstil in dem tollen Buch „Die geheimen Spielregeln der Macht“ - man meint die Autorin hätte uns zugehört!)

Dafür sollten wir uns schämen. Wir Sekretäre haben gemeinsam vor Gott die Entscheidung getroffen, dass es für das Werk und die Arbeit in Österreich das beste ist, dieser mühseligen Diskussion durch Rückzug den Wind aus den Segeln zu nehmen. Das ist schmerzhaft, weil Jungschar unser Leben und unsere Leidenschaft ist, aber es öffnet den Weg für einen Neuanfang. Und das ist, worauf es letztlich ankommt: Weder die alten Pioniere (Sekretäre) noch die neuen Verantwortlichen (H. Gangl, B. Piekharz) könnten eine Jungschararbeit in Österreich und darüber hinaus in Bewegung bringen. Wenn nicht die nächste Leitergeneration den Ball aufnimmt und Nägel mit Köpfen macht, bleibt von allen tollen Konzepten nur der Heizwert.

Berufen – Befähigt – Bewährt - das sind Leute, die Gott einsetzen kann und will

Berufen
Er ruft uns, sein Joch ist sanft und die Last leicht, denn sie passt genau, hat unsere Kragenweite.
Begabt/Befähigt
Er begabt MitarbeiterInnen auf besondere Art und Weise und befähigt sie zu der Aufgabe, zu der er sie berufen hat.
Bewährt
Wir haben keinen Mangel an Schaumschlägern und Glaubenstheoretikern. Ein Blick auf das transparente Leben eines Leiters macht seine eigentliche Qualität sichtbar.

Solche Menschen sollen den ABÖJ in die nächste Phase führen. Lässt du dich herausfordern? Willst du so jemand sein? Mir schlottern die Knie, aber lass es uns versuchen!

Martin Schober,

hat auf den Fotos festgestellt, dass er ganz schön viele Falten bekommen hat
über die Jahre in der Jungschar. Es müssen wohl Lachfalten sein!


Lachfalter: Rückblick über 20 Jahre Jungschararbeit


Interview: Rainer Gerzabek, Innsbruck

Mittwoch, 12. September 2007, von Weblog Admin

Wie bleibt unsere Arbeit zeitgemäß?
Wie groß eine Gruppe werden darf/kann/soll, kann ich jetzt schwer beantworten. Es hängt von vielen Faktoren ab, wie z.B. wie setzt sich die Gruppe zusammen/ist sie eher homogen/oder gibts einige Reibereien/oder kennen sich alle Leute/usw.

Ich würde die Jungschar mit 7 Jahren beginnen (sobald die Kids die erste Volksschulklasse abgeschlossen haben) und als Denkansatz wegen des akuten Leitermangels vielerorts wieder - wie früher schon vor zehn fünfzehn Jahren einmal - als eine Gruppe inklusive Teenies führen, die für spezielle Aktivitäten/Gespräche/Andacht als Jungschar und Teenies aufgeteilt werden kann.

Dadurch könnten wir MitarbeiterInnen konzentrierter einsetzen und zugleich den Kindern auch Verantwortung füreinander lernen (z. B. ein älterer Teenie übernimmt eine Art Patenschaft für einen neuen Jungschärler, betet für ihn, hilft ihm in die Gruppe finden usw.)

Jungschar (inkl. Teenies) könnte dann von der zweiten bis zur achten Schulstufe gehen (7 bis 14 Jahre). Hier können über längere Zeit Beziehungen aufgebaut werden, eine Gruppe geformt werden usw. - und mit 15 (oder Oberstufen-Schule, oder ab Polytechnischer Schule und dann Lehre) kämen die Teenies in die Jugend (diese würde ich wiederum mit 20 Jahren nach oben begrenzen, irgendwann ist der Mensch einfach erwachsen und sollte sich ins “normale” Gemeindeleben integrieren können!).

Zudem finde ich es noch wichtig, dass eine JS- oder Teenie-Gruppe direkt von einer Gemeinde geführt wird oder an diese angebunden ist, um eine persönliche Betreuung und Führung zu garantieren. Bei bestimmten Projekten oder Veranstaltungen kann man eine Stadt-Zusammenarbeit anpeilen (z. B. in einer Landeshauptstadt) oder sogar für einen speziellen “Event” einmal eine landesweite Kooperation (z. B. für einen Bundesländer-Tag).

Was bedeutet Professionalität – in christlichen Organisationen?
Ein familiärer Umgang steht einer professionellen Arbeitsweise nicht im Wege. Mir kommt nur vor, dass wir Christen oft lernen müssten, Menschen mit fachlicher Kompetenz in unseren Kreisen bestimmte Dinge auch entscheiden zu lassen und nicht aufgrund von “evangelikalen” eingeteilten Leiterfunktionen vor sich hin zu wurschtln (welch österreichischer Ausdruck!).

Heutzutage sollten wir uns mehr denn je fachlicher und menschlicher Teams bedienen, die bestimmte Projekte übertragen bekommen, diese nach vorne und weiter bringen und immer wieder der Gemeinde einen Zwischenbericht abliefern. Welch Reichtum an Menschen verschiedenster Gaben haben wir doch in unseren Gemeinden, aber nur wenige sind oder werden eingebunden.

Leitermangel und Burnout sind für mich auch deutliche Hinweise auf “christliche Managementfehler” - die immer schneller sich drehende Zeit und Entwicklung der Gesellschaft erfordert oft neue Arbeits- und Denkansätze. Warum immer das JS-Treffen am gleichen Ort zur gleichen Zeit? Warum nie Altersgruppen verändern und neue Strukturen ausprobieren? Darf das nur die “Welt” und wir “Christen” nicht? Hat uns nicht unser Herr zwei Augen, Arme und Beine geschenkt, um daraus was Schlaues zu machen?

Ich habe zu diesen Fragen einen Buchtipp:
Management - Der biblische Weg (von Myron Rush, erschienen im Verlag Schulte + Gerth)

Einleitende Bibelstelle zum Thema 1. Mose 11, 1 - 9:
• Hingabe an ein gemeinsames Ziel (Verse 3+4)
• Einigkeit unter den Beteiligten (Vers 6)
• Ein effektives Kommunikationssystem (Verse 1+6)
• Das Tun von Gottes Willen (die Verse 7-9 zeigen, dass das fehlte)

Was hältst du von einem österreichweiten Visons-/Inspirations-Team?
Wir sollten jetzt alle aktuell unsere Ideen und Visionen in den kreativen Neubeginn des ABÖJ einbringen. Ich halte als ergebnisorientierter Mensch nicht viel von “Nachdenk-Teams” außerhalb aktueller Gestaltungs-Abläufe, die ja schon eingeleitet sind und mit der Startsitzung im steirischen Feldbach eine Grundlage für die Zukunft bilden.

Eine neue Jungschar-Gruppe lebt vom Anpacken und dem Einsatz der LeiterInnen. Eigene “Nachdenkteams” drehen sich dann um sich selbst, kein Kind wird damit für die Sache des Herrn gewonnen - also: Ärmel raufstülpen, konzentriert nachdenken und besprechen und dann unbedingt: Anpacken!
Lasst uns die Liebe nicht nur denken, sondern t u n !!

Ein festes Redaktions-Team für jede Region?
Gerne stehe ich - wie bereits bei der ABÖJ-Sitzung in Feldbach - Interessierten bezüglich Öffentlichkeitsarbeit mit Rat und Tat zur Seite. Bevor wir aber wieder jede Menge “Detailteams” andenken, brauchen wir einmal JungscharleiterInnen, JungscharleiterInnen und nochmals - JungscharleiterInnen! (Nicht nur andenken, anpacken ist jetzt gefragt!)

Es wäre nur allzu österreichisch, ein Nachdenkteam einzurichten, das darüber nachdenkt, was JungscharleiterInnen bei einem Grundkurs über die Zukunft des ABÖJ nachdenken sollten… schluss, aus: ein kleiner Gerzi-Scherz zur Auflockerung der vielen Fragen :-))

Persönliches Mentoring?
Die Seelsorge-Frage beschäftigt mich aus aktuellen Gründen mehr denn je - nicht nur, weil ich seit mehr als einem Jahr in unserer Gemeinde in einem solchen Team mitarbeiten darf, das wir gerade aufbauen. Sondern weil ich seit Jahren erlebe, wie wichtig für viele Menschen Begleitung und Betreuung ist - sei es, weil sie Vergangenes aufarbeiten müssen, das durch aktuelle Lebenssituationen wieder hochkommt oder sei es durch neue Problemstellungen besonders bei jungen Menschen in Schul-Situationen, Ausbildungs-, Job- und Lebensfragen.

Meine Idee dazu: Vielleicht könnte man bei manchen Lagern und Kursen ein, zwei Leute aus unseren Kreisen bewusst “frei spielen”, die einfach nur für Gespräche mit den TeilnehmerInnen zur Verfügung stehen. In einer Zeit wachsenden Leistungsdrucks auf allen Ebenen des Lebens vielleicht eine mögliche Antwort als neue Hilfestellung im Angebot des ABÖJ - soweit auch eine Anmerkung zur richtigen Mischung für den ABÖJ, einerseits ein christlich geführter und doch gemanagter Verein zu sein, aber auch menschliche Persönlichkeitsentwicklung zu fördern und zu begleiten.

Wir hatten vor ca 15 Jahren bei manchem ABÖJ-Kurs oder -Treffen ein “Wiener Kaffeehaus-Eck”, das ich mit Hanns Mühl und Martin Schober - anfangs zu manch Verwunderung der Schweizer Leiter - eingerichtet habe… hier haben sich aber die Menschen zusammengefunden, ausgetauscht und so manches persönliche Gespräch bis tief in die Nacht geführt.

Wir brauchen nicht nur gute Seilbrücken, sondern vielmehr neue Brücken zu den Herzen der Menschen und im Miteinander!

Kontakt zwischen den Gruppen?
Die meiner Meinung nach beste Internet-Arbeit und Gruppen-Kommunikation unter Christen in Österreich ist die Homepage der Aichfeld-Jugend in der Steiermark - www.aichfeldjugend.at.tt , eine “gelebte” Community, Gratulation an diese Steirer-Boys und -Girls…

Nicht ABÖJ Neu!, sondern vorerst: Vorstand Neu?
Ich denke, dass mit einem “Vorstand neu” auch ein “ABÖJ Neu” verbunden ist, ja eigentlich unbedingt sein muss: Wir müssen die Zeichen der Zeit erkennen und einen neuen Weg mit flexiblen Angeboten ausprobieren, ohne dabei das “Unvergängliche und Bodenständig Gute” (sprich d a s Evangelium und erfolgreiche JS-Gruppen und Strukturen sowie Projekte) zu verändern.

Es gilt, wie auch anderswo im Leben: Bewahre das Gute und erkenne, was Du neu machen kannst/sollst/musst. Gehts uns im eigenen Glaubensleben nicht auch manchmal so, dass wir einiges verändern müssen, was uns weh tut, um wieder neu und näher am Herrn sein zu können? Ist vielleicht ein schwieriges Bild, aber wert, darüber nachzudenken…

Zum Schluss noch ein Bibelwort aus dem christlichen Management-Buch, das ich habe:
“Jedes Reich, das mit sich selbst uneins ist, wird veröden, und keine Stadt, kein Haus, das mit sich selbst uneins ist, kann bestehen.” (Matthäus 12,25)

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Montag, 10. September 2007, von Weblog Admin


Ich wünsche mir einen ABÖJ, in dem wir wieder wie eine Familie sind. Ich will keine durchgestylte Firma, in der Mitarbeiter unter Druck gesetzt werden, wenn sie nicht den Vorstellungen entsprechen, ich will einen Organismus - eben eine Familie.
Wir müssen zuerst schauen, welche Leute und damit welche Gaben wir haben um danach zu sehen, was wir anbieten können. Was nützt die beste Jobbeschreibung, das beste Organisationshandbuch, wenn es nur in der Theorie existiert?

Ich denke, wir müssen ein paar Schritte zurück gehen, wieder kleiner anfangen, die ganze aufgeblasene Struktur mal vergessen und vielleicht so wie zu Kurts Zeiten mit ein paar Maxeln, die das Anliegen haben, neu anfangen. Wenige Kurse, Jungscharleiter vernetzen (Weblog ist ein hervorragender Anfang dafür) und so vielleicht jeweils rausfinden, welcher Kurs gerade besonders nötig ist und dann halt nur ein oder zwei im Jahr anbieten. Ich hoffe schon, dass wir auch die „alten Hasen“ wieder gewinnen können. Wenn ich mich so umhöre dürfte das nur mit einem neuen Vorstand möglich sein.
Ich selbst kann mich mit dem ABÖJ der letzten Monate/Jahre nicht mehr identifizieren. Das ist nicht die Jungschararbeit, für die ich einen Großteil meiner Zeit und viel Herzblut investiert habe. Ich war so froh, im ABÖJ mitarbeiten zu können. Die Arbeit war eine der prägensten Zeiten für mich. Und mich hat nicht eine Organisation geprägt, sondern die Menschen, mit denen ich zu tun hatte - alles (geistliche) Vorbilder.
Menschen sind unser Potential - wenn jeder, der auch so profitiert hat, wie ich, einen kleinen Teil dazu beiträgt, dass andere, jüngere auch diese Erfahrungen machen können, dann haben wir viel gewonnen.
Hey - wann veranstalten wir das nächste MAT - es ist doch höchste Zeit, oder?

Offene Fragen

Sonntag, 02. September 2007, von Weblog Admin

Es wurde immer wieder kritisiert, dass es in der Jungschar und Teeniearbeit in Österreich Defizite im Bereich Erlebnispädagogik gibt, dass EP nicht umgesetzt wird. Welche konkreten Veränderungsvorschläge gibt es hier?

Welche konkreten Veränderungen benötigt es, damit unsere Arbeit zeitgemäß bleibt? – Wann ist Zeit für Aktivitäten? Wie groß darf eine Gruppe werden? Welche Alters-Beschränkungen sind sinnvoll? Aktuelle Themenwahl? Gibt es neue Modelle?

Was bedeutet Professionalität – in christlichen Organisationen?
Leistungsdruck, Zeitdruck, Zuverlässigkeit, Transparenz, klare Kommunikation, Design, Öffentlichkeitspräsenz, finanzielle Autonomie, Unternehmenskultur, geschulte und engagierte Mitarbeiter, lesbare Erfolge, Fortschritt, …
Wie gehen wir mit diesem Anspruch um? Gibt es diesen Anspruch? Steht ein familiärer Umgang einer professionellen Arbeitsweise im Weg? Was sagt Gottes Wort dazu?

Gibt es neue Finanzierungsideen?
Lasst eure Kontakte spielen. Unsere Arbeit ist förderungswürdig!

Wachstum: Wohin?
Hat Österreich nicht eigentlich 9 Bundesländer? – Ist da jemand? OÖ: 38 Evangelikale Gemeinden; NÖ: 23; Burgenland: 4; Wien: 39; STMK: 18; Kärnten: 17; Salzburg: 9; Tirol: 18; Vorarlberg: 10; Gesamt: 176; (s. Gemeindeatlas, http://www.freikirchen.at/)

Wo stehen wir im Moment? Aktive Jungscharen; Mitgliedsgemeinden; Mitarbeiter; Räumlichkeiten; Material; nahe Ziele; wie viele Kinder könnten im kommenden Sommer mit aufs Lager kommen?
Eine Auflistung der Fakten von jeder Region wäre denk ich eine gute Sache.