Was kannst du uns von deinen Erfahrungen am Sommerlager in Deutschland berichten?
Zusammengefasst kann gesagt werden, dass im Grunde das Gleiche im Mittelpunkt steht: Es geht darum, dass Kinder Gott kennen lernen, ihn erleben und es Auswirkungen auf ihr Leben hat.
Positiv erlebt habe ich, dass die Stille-Zeit Gruppen in kleinere Gruppen aufgeteilt wurden. Wenn in einem Zelt beispielsweise fünf Kinder und zwei Mitarbeiter waren, dann fühlte sich jeder Mitarbeiter für 2-3 Kinder verantwortlich – die Stille-Zeit wurde nur mit einem Leiter und diesen 2-3 Kindern gemacht. Der Vorteil dabei war, dass jeder Mitarbeiter eine Verantwortung hatte, wirklich jeder „gebraucht“ wurde und man auch individueller auf die Kinder eingehen konnte. Das Problem mit dem davor Singen wurde so gelöst, dass jede „Familie“ (=mehrere Zelte) gemeinsam sangen und sich erst dann in die Kleingruppen aufteilten. Mochte ein Minileiter die Verantwortung einer eigenen Kleingruppe noch nicht übernehmen, wurden die Gruppen einfach ein wenig größer und zusammengelegt.
Worin liegen für dich die Stärken der bisherigen Arbeit des ABÖJ?
Gutes Verhältnis zwischen Eigenständigkeit und doch der Möglichkeit auf kompetente Hilfe zurückzugreifen. Einerseits konnte man als Jungschar oder Lager selber entscheiden, wie und wo man die Schwerpunkte legt, wie die gesteckten Ziele praktisch erreicht werden können. Es lag an einem selber, wie intensiv man sich in den ABÖJ-Verband einbrachte, die Kurse in Anspruch nahm, um Rat bei erfahrenen ABÖJ Sekretären suchte. Weiters profitierte ich persönlich besonders von den Kursen. Einerseits wurde wichtiges Wissen vermittelt, neue Ideen gegeben und andererseits kam ich jedes Mal hoch motiviert für die eigene, kleine Jungschararbeit zurück.
Was hat deines Erachtens noch nicht gut funktioniert oder gefehlt?
Die Werbung. Die Information floss teilweise nur sehr stockend, es musste einem persönlich ein Anliegen sein, um den Dingen nachzugehen und dann zu den gewünschten Infos zu kommen. Auch bei den Jungscharlagern sehe ich noch große Möglichkeiten, wie auch noch viel mehr Nicht-Christen erreicht werden könnten, wenn man mehr Wert auf die Werbung legen würde. (Wobei ich schon dazu sagen muss, dass der ABÖJ in diesem Punkt in letzter Zeit Fortschritte gemacht hat)
Ich fände es toll, wenn der Schwerpunkt noch mehr auf das Erreichen von Nicht-Christen gelegt werden würde (ohne dabei die Förderung unserer Gemeindekinder zu übersehen!), denn ich denke dazu haben wir mit dieser Arbeit in Österreich echt (noch) offene Türen. Wer weiß, wie lange wir noch solche Freiheiten haben werden, doch jetzt lassen sich Kinder noch ansprechen, wir können öffentliche Schulen, Bauernwiesen… mieten und die Regierung steht nicht dagegen.
Wie würdest du die Arbeit der KEB und des ABÖJ vergleichen?
Ähnliches Ziel, unterschiedliche Vorgehensweise.
KEB: nicht unbedingt an eine Gemeinde angeschlossen – Problem der Integration in Gemeinden; es wird mehr über die kreative Schiene gearbeitet; sehr persönliche Kontakte zu den Kids; Einsatz in Schulen; Gemeindeübergreifend: auch Kinder aus katholischem, evangelischem Hintergrund werden erreicht, dadurch wird oft positiver Schwung in unsere Landeskirchen gebracht.
ABÖJ: erlebnisorientiert, naturverbunden, praktischere Vernetzung Österreichweit (es besteht ein größeres Wir-Gefühl unter den Jungscharen-Mitarbeitern im Land), in Teilen der Gemeindestruktur; im christlichen Bereich Österreichs nicht sehr bekannt.
Wie bleibt unsere Arbeit zeitgemäß?
Ein Punkt an dem es ziemlich krass auffällt ist, wenn Material verwendet wird, indem alte Bilder verwendet werden. Ich bin dafür, dass auch altbewährtes gebraucht wird, doch vielleicht sollte man dabei nicht unbedingt auf die Bilder, sondern auf den Inhalt zurückgreifen. Zur Altersbeschränkung: Kids und Teens auf jeden Fall trennen. Die Trennlinie würde ich zwischen 12 und 13 Jahren ziehen.
Sollte es so sein, dass in den n. Jahren mehr als die Hälfte Kinder aus nicht christlichem Elternhaus zur Jungschar und zum Teeniekreis kommen, wie sollte dann damit umgegangen werden?
Vielleicht sollte eine 50:50 Mischung angepeilt werden, schließlich sollen die jungen Christen auf jeden Fall auch weitergeführt werden (vor allem wenn man bedenkt, dass sie oftmals die einzigen Gläubigen in ihrer Klasse sind oder sich zu zweit oder dritt durchkämpfen).
Sollte eine Zahl von mehr als die Hälfte der Kinder aus nicht christlichem Elternhaus angepeilt werden, dann muss sicherlich mehr Schwerpunkt auf die Elternarbeit gelegt werden. Man sollte einen offenen, transparenten Teil der Stadtgemeinde einnehmen, damit nicht so viele Gerüchte und Vermutungen (Sekte…?) im Raum stehen bleiben. Man sollte den Menschen in der Nachbarschaft nicht der „große Unbekannte“ bleiben, wirkliches Interesse an ihnen und ihren Kindern zeigen (und auch haben) und Liebe leben.
Was bedeutet Professionalität – in christlichen Organisationen?
Ich bin davon überzeugt, dass ein gewisser Grad an Professionalität auch für christliche Organisationen von Vorteil ist, warum sollten wir Christen diese Dinge ablehnen, wenn sie uns helfen können, die Menschen um uns herum auf uns aufmerksam zu machen? Natürlich darf es nicht so weit kommen, dass es nur noch darum geht, doch ich denke eine gute Mischung in den Teams, wo jeweils eine Person mit Schwerpunkt Qualitätserhöhung dabei ist, ist nur wünschenswert. Ehrlicherweise müssen wir sagen, dass es viele Menschen abschreckt, wenn das Layout, die Methoden… völlig veraltet sind, bevor sie noch wissen, was sie eigentlich genau ablehnen. Ja, wir dürfen und sollen mitgehen, doch dabei nie das eigentliche Ziel aus den Augen verlieren!
Wie siehst du den Zusammenhang zwischen Mission und nationaler Jungschar- und Teeniearbeit in Europa?
Ich finde man kann und soll diese beiden Bereiche nicht voneinander trennen. Schon die Kinder sollen lernen, dass die Mission (wo auch immer sie sich befindet) unser Auftrag ist und unser Leben davon in unserem Alltag durchdrungen sein sollte. Erleben sie es in ihrer Kindheit nicht, dann ist es oft später schwierig die Wichtigkeit zu sehen. Wie könnte es aussehen? Aktivitäten, Wettbewerbe von den Kids veranstaltet und durchgeführt, bei dem der Ertrag an eine Missionarsfamilie geschickt wird, Missionare kommen und berichten von ihrer Arbeit und ihrem Leben. Vielleicht könnte man auch immer wieder „Missionseinsätze“ in benachbarten Ländern einplanen. Dabei würden die Teens sehen, dass es auch auf anderen Teilen der Erde Christen gibt, die ähnlich Überzeugungen haben und es wird ein unvergessliches Erlebnis bleiben.
Hast du eine Idee für einen neuen Namen?
Dazu fällt mir gerade nichts Brauchbares ein. Weiß nur, dass ich das Wort „bibelorientiert“ aussagekräftig finde.
Vielen Dank Irina für deine inspirierenden und einleuchtenden Überlegungen! Gottes Segen für dein letztes Bibelschuljahr! Wir freuen uns auf dein Comeback in Österreich! (Liebe Grüße, Alex)










